MusikMixer Porträt – Fero47

Ich will ein’n lila Batzen haben, Diggi, jaja / Zwei Autos in der Tiefgarage, Diggi, jaja / Einmal nach Rio de Janeiro, Diggi, jaja / Observation auf’m Parkdeck, Diggi, jaja / Excusez-moi, ich bring‘ die Scheiße in die Charts, Bra.

Unterlegt mit orientalischen Klängen, folgt Fero47 inhaltlich oft betretenden Pfaden. Auffällig sticht jedoch im Autotune-Einerlei der Generation Z seine raue Stimme heraus. In seinen Songs setzt er diese mit Mut zum gut gelaunten Gesang in Szene. „Kurdisch ist die Ader“ seiner Musik, ein ausgeprägter Geschäftssinn und Marktanalysen die Wurzeln seines Erfolgs.

Fero47 wird 1998 geboren. Mit sieben Geschwistern wächst er in Bad Pyrmont auf. Erst über Haftbefehl und KC Rebell, später über französischen Hip Hop von Kaaris und PNL entwickelt er eine Vorliebe für Rap.

Im Alter von vierzehn Jahren rappt er die Lines seiner Vorbilder mit. Kurz darauf schreibt er schon eigene Texte zu bekannten Instrumentals. Doch die Musik bleibt vorläufig nur ein Hobby. Immerhin gilt es, schon neben der Schule Geld zu verdienen. An Wochenenden schneidet er in seiner Garage Haare. Nach dem Realschulabschluss beginnt er eine Ausbildung zum Maurer.

Bald bricht er die jedoch wieder ab. Nun steht er nicht nur ohne Arbeit da, auch den Antrag auf einen deutschen Pass bewilligen die Behörden nicht. Ein Jahr lang beschäftigt er sich mit der Gretchenfrage: „Was will ich?

Wie schwer er sich mit der Entscheidungsfindung tut, verdeutlicht Fero47 im Interview mit „Komm ins Café“: „Ich habe wirklich viel über meine Zukunft nachgedacht. Wir sind acht Köpfe in der Familie und an erster Stelle zählt doch die Familie. Ich bin der älteste Sohn, und der hat natürlich Verantwortung zu tragen. Ich wollte das Beste daraus machen.

2015 zieht es ihn raus aus der niedersächsischen Kurstadt und rein in die Metropole Frankfurt am Main, um in der dortigen Bankenbranche Fuß zu fassen. „Frankfurt ist Macht„, erklärt er später ehrfürchtig. Die Vorstellungsgespräche bei den Kreditinstituten verlaufen zwar zufriedenstellend, doch die schriftlichen Tests bereiten ihm Probleme.

Neben dem Wirtschaftsbereich bleibt die Musik für ihn weiterhin relevant. Er dreht zunächst Handyvideos für Facebook, wechselt dann früh zur aufstrebenden Plattform Instagram.

Capo von den Azzlackz meldet sich bei Fero47 und verabredet erste Treffen mit Branchenvertretern. Doch der Rapper verfolgt langfristige, selbstbestimmte Pläne: „Ich wollte einen Namen aufbauen, der auch bleibt.

Um Schnellschüsse zu vermeiden, betreibt er anfangs seine ganz persönliche Marktforschung: „Ich wollte erstmal wissen: Stehen die Leute überhaupt darauf? Was bringt mir das, wenn ich jetzt ein Video raushaue? Ich hab‘ keine Fans, ich hab‘ keine Reichweite, ich habe nichts.“ Er konzentriert sich weiter auf die sozialen Medien und erhöht die Spannung auf seine Debütsingle.

Im Dezember 2018 soll sein erster professioneller Song „Jaja“ erscheinen. Doch ein Autounfall vereitelt vorerst den Plan. Auf dem Weg zu einem Fotoshooting in Hamburg landet er mit seinem Cousin in einer Tankstelle. Glücklicherweise verletzt sich keiner der Beteiligten ernsthaft, zur Sicherheit wird er aber ins Krankenhaus transportiert: „Das war richtig wie im Film.

Die Verzögerung der Single wirkt sich auf ihn nicht negativ aus, wie der über ihn hereinbrechende Erfolg verdeutlicht. Mitte Januar erreicht „Jaja“ Platz acht der Single-Charts und verzeichnet Abermillionen Klicks auf Spotify und YouTube.

Zeitgleich zur ersten Single gibt das Sony-Sublabel Epic Records bekannt, den Frankfurter unter Vertrag genommen zu haben. Mit „Puerto Rico“ legt Fero47 Mitte März seine zweite Single nach, die ebenfalls die Top Ten entert. Es folgen „Wie im Traum“ mit Ardian Bujupi sowie „Nenene“.

Bei der Produktion behält er stets eine pragmatische Sicht bei. So favorisiere er selbst eigentlich „deepe“ Songs, doch mit Blick auf die überschaubare Nachfrage setzt er lieber auf melodische Stücke: „Die Leute feiern das. Ich mache das für die Leute da draußen. Ich mache es nicht für mich.